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Verfasst von Erik NOWAK, Wien
Die Lehr- und Schaugrube Arzberg, Steiermark
Die im typischen Grazer Bergland gelegene Grube ist ein Musterbeispiel für eine moderne Lehr- und Schaugrube. In der Region wurde seit alters her Blei und Silber (Ag-hältiger Galenit) abgebaut, worauf auch der Name Arzberg hindeutet.
Dem Schaubergwerk angeschlossen ist ein kleines Museum, in dem neben bäuerlichen und bürgerlichen Gebrauchsgegenständen, auch eine eigene Abteilung mit Exponaten des ehemaligen regionalen Bergbaues zu sehen ist.
Das Grazer Bergland gehört geologisch zum Grazer Paläozoikum, einer altpaläozoischen oberostalpinen Deckeneinheit mit ausgeprägtem Faltenbau, das auf kristallinem Untergrund aufliegt. Im oberen Silur waren in dieser Einheit drei Fazieszonen ausgebildet: die Rannachfazies im Süden, daran anschließend die Hochlantschfazies und im Norden die Lafnitzdorffazies. An der Wende Silur/Devon brach zwischen den beiden südlichen Faziesbereichen das Becken der Tonschieferfazies ein. Durch dieses Rifting kam es im Beckenbereich zu einem ausgedehnten basischen Vulkanismus (Black Smokers), der auch die Ursache für die Vererzung darstellte. Durch Druckentlastung und rasche Abkühlung der hydrothermalen Lösungen kam es zu einer Metallschlammbildung. Da es in den von Hochzonen umgebenen Becken kaum eine Wasserzirkulation gab, wurden die von den Hydrothermen angelieferten Schwermetalle nicht weiter verteilt. Der metallhältige Schlamm verfestigte sich, durch Druck und Temperatur kam es zur Metamorphose und zur Bildung des Erzlagers. Orogenetische Vorgänge führten schließlich zu den heutigen geologischen Gegebenheiten.
Für die Lagerstätte charakteristisch sind die Gesteinsabfolgen, in denen die Vererzungen eingelagert liegen. Sie werden als Arzberg-Schichten bezeichnet. Diese wurden mit den darunterliegenden Passailer-Schichten zur Passailer Gruppe zusammengefasst.
Die Lagerstätte setzt sich vom Liegenden zum Hangenden aus Chloritschiefern (Tuffe, Tuffite, Metabasalte), Serizitschiefern, Karbonatschiefern und Schwarzschiefern zusammen. In dieser Gesteinsabfolge liegt die Erzparagenese. Die Anreicherung ist heute nicht mehr abbauwürdig, stellte aber von 1242 (erstmals als „Aerzeperch“ erwähnt) bis 1927 (endgültige Heimsagung) eine wichtige Einnahmequelle für die Region dar. Im Nebengestein tritt untergeordnet Pyrit, Chalkopyrit und Siderit auf.
Die Mineralisation zeigt zwei Vererzungen, im Liegendlager sulfidische Vererzung (Fahlerz, Pb & Spuren von Cu) und im Hangenden sulfatische (Schwerspat mit Spuren von Pb-Glanz). Nach letzten Erkenntnissen handelt es sich um zwei getrennte Lager, die nur teilweise aneinander grenzen, da eine gleichzeitige Bildung von Sulfat und Sulfid nicht möglich ist. Sulfide bilden sich im reduzierten Milieu
des Beckeninneren (euxenischen Millieu), während Baryt unter den oxidierten Bedingungen des Beckenrandes ausgefällt wurde. Für die Erzlagerstätte war besonders die Beckenfazies wichtig.
In früherer Zeit war der Silbergehalt des Ag-hältigen Galenit sehr geschätzt. Die Silbertrennung aus dem Galenit hatte den Vorteil, dass dadurch das Blei rein wurde - seine Sprödheit verlor.
Der Schleifstein / Mühlsteinabbau im Raum St. Jakob im Walde – Waldbach, Steiermark
Die Herstellung von Mühlsteinen geht auf eine Jahrtausende alte Erfahrung zurück. Waren die ersten Werkzeuge zum Aufschließen und Zerkleinern des Kornes Reibsteine oder primitive Mörser, wurde mit zunehmender Technisierung Wind- bzw. Wasserkraft eingesetzt, um einen rotierenden Stein auf einem feststehenden Stein zu bewegen.
Nun eignet sich nicht jedes Gestein für Mahlzwecke. Sehr feinkörniges oder auf der anderen Seite ein grob poröses oder grobklastisches Material ist genauso wenig geeignet wie ein zu hartes oder zu weiches Gestein. So waren früher neben hartem Gestein mit scharfrandigen Höhlungen, wie Mühlsteinquarz oder Mühlsteinlava, auch poröse Gesteine mit harten Körnern in weicher Matrix begehrt, da auch diese scharf bleibende Mahlflächen garantieren. Die letztgenannten Gesteine wurden gerne zur Vermahlung von feuchtem Getreide genommen.
In der Oststeiermark tritt zwischen dem Pfaffensattel im Norden und Wenigzell im Süden ein Zug von Permoskyth-Quarziten auf, der als Semmering-Quarzit bezeichnet wird. Das ist der Sammelname für eine Reihe feinkörniger Quarzite, metamorpher Quarzkonglomerate, Quarzbrekzien und Arkosen. Eine besondere Abart davon ist der vergruste Quarzit, der in bis zu 10 m mächtigen Lagen auftritt und dessen Genese verschieden gedeutet wird.
Im Gefolge von vergrustem Quarzit treten besonders im Liegenden mittelkörnige Quarzbrekzien und Konglomerate auf, die im 19. Jahrhundert einen gesuchten Rohstoff für die Mühlsteinerzeugung darstellten. Besonders im Raum Wenigzell, Waldbach und St. Jakob im Walde tritt dieses Gestein zutage. Alte Flurnamen wie etwa “Mühlstein-Leiten“ weisen auf die Bedeutung hin. Das Gestein wurde gerne wegen seiner Härte zum Vermahlen von Roggen und Hafer genommen.
Die Gewinnung erfolgte sowohl ober- als auch untertage. Wer in diesem Gebiet mit wachem Auge geht, der findet zahlreiche Zeugnisse des ehemaligen Mühlsteinabbaues.
Der im Zuge der Exkursionen besuchte Mühlsteinabbau ist untertägig und zeigt sehr schön die Abbaumethode anhand von Ausbruchstellen, halbfertigen und missglückten Mühlsteinen. Auch die Intensität, mit der nach dem begehrten Gestein gesucht wurde (riesige Hallen und lange Vortriebe) ist beeindruckend.
Das Bergbau- u. Heimatmuseum in Enzenreith
Die vor ca. 15 Millionen Jahren unter dem heutigen Ortsteil Hart gebildete Braunkohlenlagerstätte wurde von 1840 mit Unterbrechungen bis 1949 abgebaut. Aber nicht nur Kohle, auch andere Rohstoffe wurden im Semmeringgebiet gewonnen.
Im Museum wird nicht nur die Geschichte des Harter Bergbaues mit seinem schrecklichen Grubenunglück von 1924 gezeigt, sondern auch andere Bergbaue, wie z.B. der Gips- und Schwerspatabbau der Region. In einer umfangreichen bzw. durch einzigartige Objekte gekrönten Ausstellung ist nicht nur die regionale Bergbaugeschichte sondern auch der Bürger-, Bauern- und Handwerksstand der vergangenen Zeit dokumentiert. Eine umfangreiche mineralogische Sammlung, mit dem Schwerpunkt auf der regionalen Mineralogie rundet den Exponatumfang ab. Für die jüngsten Museumsbesucher ist im Keller ein Erlebnisbergwerk vorhanden.
Die erste Idee zu einem derartigen Museum stammte aus dem Jahre 1981. Nachdem das ehemalige Gasthaus “Schrammelwirt“ am gleichnamigen Teich gelegen, für das Projekt zur Verfügung stand, konnte mit der Umgestaltung bzw. Aufstellung der Exponate begonnen werden. Im Dezember 1986 fand die Eröffnung statt. Das Museum wird heute von gleichnamigen Verein ehrenamtlich betrieben.
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